Hallo ihr Lieben,
"Ich machte das Brathaehnchen, kaltes gericht, hong shao qie zi, das ist tuepisches gerichte,wow, kannst du so gut schlafen, villeicht bist das kleine schwein? das gute suesse wort ist schwein in china, besonders bei jungend" (SMS die ich von einer deutschsprachigen Chinesin bekommen habe auf die Frage was sie gekocht haette und die Aussage das ich auch nach einer halben Kanne Kaffee noch gut schlafen kann)
Fast ein Jahr bin ich mittlerweile in China und da dachte ich koennte ich ja auch mal wieder von mir hoeren lassen. Zudem hab ich grad etwas Zeit. Mein Chef hat mir Heute nicht erlaubt ins Office zu kommen - Verdacht auf Schweinegrippe. Tatsaechlich hab ich mich erkaeltet und war Vorgestern schon zu Hause geblieben. Direkt nachdem das losging hab ich natuerlich passenderweise in den Nachrichten gehoert das derzeit in Peking 80% der Grippefaelle auf H1N1 beruhen. Zudem gibt es 200 neue H1N1 Faelle pro Tag, allein in Peking. Aber sei es wie es will, ich arbeite Heute von zuhause und da ich von hier nicht so viel tun kann ergreife ich ausser der Gelegenheit auch noch das Wort um euch mal wieder was zu schreiben.
Und wenn ich wirklich Schweinegrippe haben sollte, dann wird damit masslos uebertrieben. Oder die Grippe muss sich halt 'n schwaecheres Opfer suchen. Ich bin jedenfalls schon wieder recht fit.
So, nun aber auch zu spannenderen Berichten...ich weiss mal wieder nicht wo ich anfangen soll. Auch nach knapp einem Jahr erlebe ich immer noch sehr viel hier und werde stendig neu ueberrascht. Ja, es ist wirklich so vieles so anders (nicht nur ein Klischee). Danke uebrigens auch nochmal an meine Mutter fuer ihren Bericht von ihrem Aufenthalt hier. Ich hatte schon das Gefuehl den beiden hatte es hier gut gefallen, auch wenn sie mit dem arg heissen Wetter und anscheinend chronischem Hunger zu kaempfen hatten. Letzteres scheint aber tatsaechlich an der Klima- und Essensumstellung zu liegen. Derzeit haben wir hier eine Kollegin aus Koeln fuer einen 5woechigen Austausch zu Besuch, die bekommen wir auch trotz ihrer vielleicht 70Kg kaum satt.
Die Sache ist das die CHinesen mit viel - sehr viel - enorm viel Oel kochen. Das foerdert natuerlich eine schnelle Verdauung. Zudem ist fast alles kleingeschnetzelt, um es Staebchenfreundlich zu machen. Und als Europaeer sehnt man sich an manchen Tagen einfach nur nach was festem, Kartoffeln, Schnitzel usw. Wobei letzteres fuer mich mal wieder nicht zutrifft. Zum Glueck kann man hier ja aber auch alles bekommen. Und der Oesterreicher des Vertrauens ist zum Glueck auch direkt in der Naehe des Bueros.
Magnus kommt rum.
Mittlerweile hab ich dann ja auch schon einiges von China gesehen. Die meiste Zeit bin ich schon in Peking, wo ich ja auch meine Wohnung und den grossen Teil meines sozialen Umfelds habe.
Shanghai stand schon mehrfach auf dem Programm, oft betrieblich oder fuer Behoerdengaenge. Die Stadt wirkt im Vergleich zu Peking immer recht hektisch. Ist halt eine Buisness Metropole, waehrend Peking direkt der Regierung unterstellt wird und hier viel das Traditionelle gepflegt wird. Ich bin schonmal sehr gespannt auf die Expo in Shanghai naechstes Jahr. Das ist momentan eine riesige Grossbaustelle. Ich denke das wird aehnlich wie bei der Olympiade werden, das alle die danach dran sind das kaum noch toppen koennen.
Weitere Orte die ich hier schon gesehen habe sind Tianjin, Guangzhou, Xiamen, Harbin und Chengdu.
Tianjin ist ca 2 bis 3 Autofahrstunden entfernt und von dem was ich gesehen habe konnte mich nichts begeistern. Ich spreche dann gerne von der standard Provinzstadt. Das heisst ein paar Millionen Einwohner, verhaeltnismaessig verschmutzt, seelenlose Architektur, kaum interessante Sehenswuerdigkeiten.
Ein paar Millionen Einwohner wird von den Chinesen meistens auch als "nicht so gross" bezeichnet. Soweit ich weiss gibt es hier mittlerweile mehr als 50 Staedte mit mehr als einer Millionen Einwohner.
Guangzhou, Suedchina passt auch verhaeltnismaessig gut in dieses Bild, auch wenn es mit 8 Millionen Einwohnern nicht mehr als klein bezeichnet wird. Hier war ich allerdings auch nur fuer einen sehr kurzen Aufenthalt auf dem Messegelaende. Einzig spannend vielleicht die Fahrt vom Flughafen zur Stadt durch die Berge, die mich ein wenig an Italien erinnerten.
Xiamen, Sued-Ost Kueste. Bei klarem Wetter kann man hier den Teil Taiwans sehen der der Insel vorgelagert ist. Xiamen hat mich in vielerlei Hinsicht ueberrascht und wer die Fotos mal gesehen hat wuerde wahrscheinlich kaum drauf tippen das die in China gemacht worden sind. An einigen Stellen hat mich der Ort auch eher an eine Karibikinsel erinnert. Und Morgens vom Hotel zum Messegelaende ging's erstmal immer 15 Kilometer an der Pazifikkueste entlang. Wunderbar.
Chengdu, Suedchina. Chengdu ist hauptsaechlich als Wiege der Pandabaeren bekannt und durch das grosse Erdbeben im letzten Jahr. Als Gesamtes gesehen wirkt die Stadt selber erstmal weniger reizvoll. Wenn man dann jedoch ein bisschen Zeit zum erkunden hat sieht das schon wieder anders aus. Einer suessen chinesischen Altstadt im sehr klassischen chinesischen Styl (wie man's vielleicht aus historischen Filmen kennt) steht eine Supermoderne Innenstadt mit gewaltig breiten Einkaufsstrassen und Shoppingcentern gegenueber. Aber wie vieles in diesem Land ist sowas oft schwer beschreibbar und in Fotos feszuhalten. Und dann sind da natuerlich noch die Pandas. Suess, aber der Spaziergang durch die freie Natur (ohne Unmengen an Touristen) hinterher hat mir persoenlich mehr zugesagt.
Harbin, Nordchina. Eine Stadt wie man sie in China vermutlich nicht erwarten wuerde. Mit einem grossen Einfluss durch den stalinisischen Baustyle aus der hochkommunistischen russichen Periode. Im Winter findet hier jaehrlich ein Eisskulpturen Wettbewerb statt. Aber da ich nunmal im spaeten Fruehjahr da war, konnte ich davon eher weniger mitnehmen. Auch schwer zu beschreiben. Ich denke die Fotos die ich bereits vorher schonmal ins Forum gestellt hatte sprechen fuer sich.
Soviel einmal zur Kurzeinfuehrung zu den Staedten die ich besucht habe. Ich denke die Fotos duerften dem ein oder anderen gelaeufig sein.
Magnus verschickt ein Paket.
Und wie stellt man sowas an? Genau, erstmal braucht man ein Paket. Also los und ein Paket kaufen. Aber wo? Im Supermarkt nicht, im Schreibwarenladen nicht, im Postkartenladen nicht....hmm, wozu braucht die chinesische Post eigentlich soviele LKWs wenn hier keiner Pakete verschickt? Post, gute Idee. Also ab zur Post und tatsaechlich gabs da Pakete. Und warum guckt der Postbeamte mich an wie ein kaputtes Auto als ich mit dem Paket aus der Post gehe? Nicht drueber nachdenken. Vielleicht kommen in diese Dienststelle nicht soviele Auslaender. Also nach Hause und in Ruhe Brief schreiben, Paket sorgfaeltig packen, damit der Platz auch sinnig genutzt ist und alles die Reise gut uebersteht.
Also stand dem ganzen zum Lossenden nichts mehr im Wege, ausser chinesischer Papierkram vielleicht, aber meine ehemalige Assistentin Anna war so nett mich zur Post zu begleiten. Als sie bei mir ankam kam dann gleich die Frage: "Wo sind die Sachen die du verschicken willst". Ich sag: "Hier", "Wo?", "na in dem Paket"....was fuer eine ueberfluessige Frage dachte ich mir noch so und schon waren wir unterwegs zur Post. Und da wurde mir dann einiges klar, als der Postbeamte meinte wo die Sachen waeren die ich verschicken moechte. Also, Paket aufmachen, alles zur Begutachtung rausholen, damit der Beamte das auflisten kann. Dann alles auf die Ablage legen, damit ein weiterer Postbeamter meine Sachen in ein Paket packt. Ich drehte mich um, die Leute tragen die Sachen hier wirklich in Tueten und Taschen in die Post und hier wird erst alles begutachtet bevor es verpackt wird. Keine Chance das System zu umgehen.
In Westeuropa undenkbar, aber Privatsphaere wird ja auch generell ueberbewertet. Na ja, hat auch was gutes, wenigstens braucht man sich hier nicht so sehr vor Briefbomben zu fuerchten. Sowas sind immer die Sachen hier wo der Kommunismus noch sehr praesent ist, von dem man im normalen Alltag ansonsten gar nicht soviel mitbekommt.
So meine Lieben, soviel erstmal von mir. Es gibt zwar noch tonnenweise was ich berichten koennte, aber ein bisschen was hab ich dann ja doch noch zu tun Heute. Ich hoffe ich finde bald wieder mal etwas Zeit und Musse um ein bisschen was aus diesem doch sehr anderen und oftmals kontroversen Land zu berichten.
Lieber Gruss,
Magnus
Mittwoch, 4. November 2009
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