Dienstag, 11. August 2009


Hier der Bericht meiner Mutter nach dem Besuch bei mir in China:

Meine wunderbaren, kulinarischen Erfahrungen in Peking

Sehr gespannt traten Konrad und ich unsere Reise nach China am 07. Juli an.

Unser erstes chinesisches Essen wurde uns an Bord des Flugzeuges serviert, es war ein stark gewürztes Reisgericht und wir aßen es, wie in Flugzeugen üblich, mit Plastikbesteck. Da fiel mir ein, dass ich vergessen hatte, zu üben wie man mit Stäbchen isst. Sollte das der Beginn einer ungeplanten Fastenzeit sein?

In Peking holte Magnus uns vom Flughafen ab und wir fuhren mit dem Taxi zu seiner Wohnung. Es war sehr warm und wir mussten uns an die hohe Luftfeuchtigkeit gewöhnen. Die Wohnung war stets ein Erholungsort, da die Klimaanlage uns immer wieder „herunterkühlte“. Magnus zeigte uns in der Umgebung seines Wohnortes die Dinge, die in den nächsten Tagen für uns wichtig sein könnten. Die Reinigung und das Obst-und Gemüsegeschäft gegenüber seines Hauses, die Post, die U-Bahnstation, die Shopping-Mall, Starbucks und KFC, dort bekam Konrad dann Appetit auf einen kleinen Imbiss. Das Angebot unterschied sich von den Dingen, die wir in deutschen KFC’s kennen. Er wählte eine Pineapple Tasche, für mich war es wichtig Wasser zu trinken und die Klimaanlage, die es in allen Lokalen gab, zu genießen.

Am frühen Nachmittag und mit vielen neuen Eindrücken lud Magnus uns in ein chinesisches Lokal ein, das er uns zum „Angewöhnen“ ausgesucht hatte. Wir saßen in dicken Sesseln und ich erlebte zum ersten Mal, die lange Prozedur des Bestellens in einem Restaurant. Schnell verstand ich, dass es am einfachsten ist, wenn man einer Person diese Aufgabe überlässt. An allen Tischen neben uns wurde mit den Kellnern diskutiert und diskutiert, keine Ahnung worüber. Während wir es gewohnt sind, dass sich jeder ein Tellergericht bestellt, ziehen die Chinesen es vor viele, viele, Dinge in Schüsseln und Schalen zu bestellen, aus denen sich dann jeder Tischgenosse mit seinen Stäbchen bedienen kann. Magnus versteht es, Gott Lob, Essen ohne Fleisch zu ordern. Hilfreich war es auch, dass wir in fast allen Lokalen Speisekarten bekamen, auf denen die Gerichte fotografisch abgebildet waren. Man muss sich dann noch daran gewöhnen, dass die Kellner während der Prozedur des Aussuchens direkt neben dem Tisch stehen bleiben und am liebsten mitreden möchten. Na ja, Personalmangel gibt es in den Restaurants ja auch nicht. So verließen wir uns auf Magnus und bekamen schließlich unser erstes „echtes“ chinesisches Essen serviert. Besteck gab es natürlich nicht, aber noch einige Tipps von Magnus, die Stäbchen möglichst weit oben zu halten und nur das obere Stäbchen zu bewegen. Im Salat waren ganz köstlich geröstete Nüsse, für mich die Gelegenheit, sie mit meinem neuen „Handwerkzeug“ zu greifen und so zu trainieren. Alle Speisen waren sehr frisch zubereitet und mich beeindruckten die Gerüche, die mir sehr fremd waren. Diese Erfahrung habe ich täglich während unseres Aufenthaltes in Peking gemacht: man geht 100 Meter und hat einen völlig anderen Geruch in der Nase, manchmal auch unangenehm.

Unser erstes Essen „zum Angewöhnen“ war also gut verlaufen und ich bin sogar satt geworden. Mir wurde schon an diesem ersten Tag klar, dass das Essen „beim Chinesen“ hier in Deutschland nichts mit dem Angebot in China zu tun hat. Hühnchen süß-sauer in einer undefinierbaren Sauce haben wir nirgendwo bekommen.

Obwohl ich an diesem Tag mit der Müdigkeit zu kämpfen hatte, sind wir abends noch in eine sehr feine Gegend gefahren. Dort gab es eine ganz neue Wohnwelt zu bestaunen mit einer Einkaufsstraße, die keine Wünsche offen ließ und einem gigantisch beleuchtetem Park. Dort haben wir dann im „Muse“ unser Abendessen eingenommen, es war vietnamesisches Essen und total lecker. Allerdings fielen mir nun schon die Augen zu und ich fiel, in Magnus Wohnung angekommen, in einen komatösen Schlaf.

Am nächsten Tag ging Magnus ins Büro und ließ Konrad und mich schlafen. Wir haben bis nachmittags gepennt und sind dann in ein Lokal in der benachbarten Mall gegangen. Es gab dort japanische Kost und hat uns gut geschmeckt „Ajisien nuddle Restaurant“ Magnus musste in der Zeit unseres Besuches viel arbeiten und konnte sich erst abends Zeit für uns nehmen. Gemeinsam sind wir am Donnerstag abend ins Purple Haze gegangen, wo uns wieder ein Hochgenuß erwartete. Das Angebot von Gemüse, Fisch und Fleisch ließ keinen Wunsch offen. Zum Abschluß hat Magnus eine köstliche Fruchtplatte bestellt, die schon optisch etwas Besonderes war.

Freitag entwickelten wir dann einen Tagesrhythmus der so aussah: morgens lange schlafen, damit fiel das Frühstück weg. Frühstück in China ist eh völlig anders als in Deutschland. Brot, Kaffee, Aufschnitt, Käse, das sucht man vergebens. Chinesen frühstücken süsse Reisgerichte, Teigtaschen und allerlei fremde Knabbereien (vorwiegend am Spieß). Na ja, gefrühstückt haben wir nicht einmal in China, mittags und abends gingen wir dann in ein Lokal, was nicht besonders teuer sein muß. Es gibt Möglichkeiten, die jedem Geldbeutel gerecht werden. An diesem Freitag sind wir mit Magnus zur Produktionshalle gefahren. (Die Autofahrt mit Magnus am Steuer quer durch Peking ist noch einen gesonderten Bericht wert.) Ich dachte jedenfalls, dass ich an diesem Tag gar nichts mehr essen müsste. Mittags hatte ich mich dann erholt und war mit Konrad einige Zeit an einem Fluß spazieren gegangen, wo wir ungehemmt bestaunt wurden. Li Hui und Magnus gingen dann mit uns in ein traditionelles Lokal, in dem die Leute, die in der Gegend arbeiten, essen gehen. Die äusseren Umstände waren etwas rustikal (stark rauchende Menschen, Hühnchenknochen und Speisereste auf den gerade verlassenen Tischen). Wie immer waren aber alle Speisen, die Li Hui bestellt hatte, sehr frisch und lecker. Li Hui erzählte uns, dass ihre Lieblingsspeise Fischkopf ist und Konrad erklärte, dass er alles probieren möchte. Wein zum Essen zu trinken ist wohl eher unüblich, man bekommt höchstens Bier. Überhaupt ist mir aufgefallen, dass die Chinesen kaum Alkohol trinken. Sie bevorzugen Tee, der aber nichts mit unserem Ostfriesentee zu tun hat, und süße Getränke. Am Abend waren wir im Renaissance Hotel in einem italienischen Restaurant. Tatsächlich gab es hier Messer und Gabel und Weißwein! Meine Söhne waren sich sicher, dass dieses Lokal auch ihrem Vater gefallen würde.

Samstags haben wir einen Ausflug zu einem Stausee gemacht. Wir waren eine illustre Reisegesellschaft: Magnus, Konrad, Li Hui, ihre Mutter, Petra, eine Kollegin von Magnus, Sophie und deren zukünftiger Mann. Nachdem wir uns dort einige Zeit vergnügt hatten, kehrten wir dann in ein traditionelles Restaurant ein. Li Hui übernahm die Prozedur des Bestellens und es gab wieder eine Vielfalt an Speisen. Besonders lecker war ein Spinatgericht. Wenn so viele Leute gemeinsam essen., muß man sich daran gewöhnen, dass jeder mit seinen Stäbchen vom Mund in die Schüsseln mit Fisch, Fleisch, Gemüse etc geht. Die Rückfahrt mit Hauptverkehrszeit durch Peking war wieder abenteuerlich, doch Magnus hat jede Situation gemeistert. Das wichtigste Instrument am Auto in Peking ist die Hupe.

Abends waren wir dann wieder zu Dritt und aßen im Shingkong Place, wo wir Shouze, die typischen Teigtaschen genossen. Das hat mir sehr gut gefallen, man kann diese Teigtaschen am ehesten mit Ravioli vergleichen, sie werden mit Gemüse, Fleisch oder Fisch gefüllt. Der Teig ist aber viel heller und dünner als bei Ravioli.

Am Sonntag hatte Magnus Zeit für uns und wir sind mit dem Taxi in die Gegend gefahren, wo das office von uniplan früher war. Mittags gingen wir in ein Lokal (Gulou), von dem Magnus uns erzählte, dass er dort schon häufiger mit Kollegen gegessen hatte. Er rief Li Hui an und bat sie bei der Kellnerin das Fleisch für Konrad zu bestellen, das sie selber so gerne mag. Wir bekamen ein tolles vegetarisches Gericht. Nach dem Essen sagte Magnus zu Konrad: so nun hast du auch mal Hund gegessen. Konrad meinte, dass es vergleichbar nach Rind geschmeckt hat.

Wir verbrachten einen schönen Sonntag in Peking und waren im Houhai Park, wo es viele Lokale gab. Doch Magnus wollte uns an einen besonderen Ort zur Huitong-Pizzeria führen.

Wir gingen durch Gassen, die ich alleine nicht betreten hätte und ich konnte mir nicht vorstellen, dass es in dieser bescheidenen Gegend noch ein annehmbares Restaurant geben könnte. Zu meiner Überraschung kamen wir ein chinesisches Holzhaus, in dem es eine ganz tolle, sehr große Pizza gab. Die Reste wurden eingepackt und am nächsten Tag freuten sich noch Magnus’ Kolleginnen darüber. Nach diesem besonderen Tag hatte Magnus noch eine Überraschung für uns, er fuhr mit uns in einen Wellnesstempel und uns wurden die Füße massiert. Es gab Maniküre und Pediküre -Einfach herrlich!-

Montag Mittag sind Konrad und ich zu Magnus’Büro gefahren und haben die Pause mit ihm verbracht. Wir gingen zum „Österreicher“, inzwischen schon ungewohnt in deutscher Sprache begrüßt zu werden, fragte der Chef Magnus, ob er wie immer essen möchte. Das bedeutete Nudeln mit Auberginen und Tomaten,.es war ausgesprochen lecker bei dem Österreicher.

Als Magnus Feierabend hatte sind wir zu einem Ort gefahren, der „the place“ heißt. Alles war sehr neu und modern und über dem Platz war eine riesige LED Wand , man hatte den Eindruck, es sei ein Aquarium mit Haifischen darin. An diesem Ort besuchten wir das Lokal „Song“, auch sehr neu, sehr modern und einen ganz feine, leichte Küche.

Am Dienstag fuhren Konrad und ich zum Tian’anmen und wegen der Hitze mussten wir trinken, trinken, trinken.So wurde uns erst nachmittags bewusst, dass wir den ganzen Tag noch nichts gegessen hatten. Wir gingen dann um 16.30 Uhr in ein taiwanesisches Restaurant und waren dort die einzigen Gäste. Man mag es kaum glauben, das gesamte Personal befand sich im hinteren Raum des Hauses und schlief. Das Essen, das wir dann bekamen war sehr scharf gewürzt, aber mal wieder vorzüglich.

Was wäre ein Besuch in Peking, ohne Peking-Ente gegessen zu haben? Li Hui hatte uns schon erzählt, dass es ein Restaurant gibt, das besonders bekannt für die Peking Ente ist. Im Roasted Duck muss ein Koch 5 Jahre lernen um die Ente zubereiten zu können.Wir mussten beim Betreten des Lokals eine Nummer ziehen (wie in Deutschland auf dem Arbeitsamt) und dann in einem klimatisierten Glaskasten warten bis wir aufgerufen wurden. Wir saßen dort mehr als eine Stunde, dann durften wir Platz nehmen. Das Anschneiden der Ente wurde zelebriert und es gab viele andere Speisen dazu. Es war ein ganz besonderer Abend und natürlich auch nicht ganz billig.

Mittwoch gingen Konrad und ich in das Einkaufszentrum am Fuli Cheng. Das Angebot in den Supermärkten ist so vielfältig, das haut einen regelrecht um. Es gibt Frösche, Schlangen, Meerestiere, Tiere jeder Art und Gemüse und Obst, das ich noch zuvor gesehen hatte. Nach einem Einkaufsbummel ist man wirklich überwältigt. Also sind Konrad und ich in dem Zentrum Sushi Essen gegangen, auch kein Vergleich mit den Sushibars in Deutschland.Es war gut und günstig.

Schon seit unserer Anreise interessierte ich mich für die neuen Lokale, die es in unmittelbarer Nähe von Magnus’ Wohnung gab. Das Landgent Center ist zwar noch nicht eröffnet, aber die Restaurants haben schon geöffnet. An diesem Abend besuchten wir das indische Lokal. Mit Bollywoodklängen und Bildern auf dem Großbildschirm wurde uns ein hervorragendes, ganz lecker gewürztes Essen serviert. Getränke waren wieder sehr speziell, an diesem Abend bekamen wir eine Art Joghurtdrink. Die anderen Lokale am Landgent Center zu besuchen haben wir während unseres Aufenthaltes nicht mehr geschafft.

Der Donnerstag war unser Shopping Tag mit Anna. Konrad handelte die Preise nach unten wie ein Chinese. Vorher trafen wir uns noch mit Magnus beim Soho und aßen mit ihm Pizza. In dem Lokal war es an dem Tag so hektisch, wie wir es sonst nirgendwo erlebt haben.

Na ja, Pizza isst man auch in China mit Messer und Gabel.

Der Abend war dann wieder voller Überraschungen. Wir trafen uns mit Li Hui, Caroline und Magnus in einer Karaoke Bar. Dort suchten wir zunächst Speisen am Buffet aus. Es gab wieder viele Dinge, die ich noch nie gesehen hatte. Li Hui war anwesend und konnte uns viel erklären. Alleine die Vielfalt des Tofuangebotes hat mich begeistert. An diesem Buffet gab es auch viele Süßspeisen und natürlich, wie immer, eine tolle Fruchtplatte. Speisen und Getränke nahmen wir mit in unsere Karaokezelle und dann wurde gesungen….Englisch und Chinesisch, Magnus sang wunderbar in chinesisch, schi, scha, scha, schi, scha, scha…

Freitag trafen wir uns erneut mit Anna und wir gingen mittags „Hot Pot Essen“. Bei 40^C Aussentemperatur ist das schon ein Erlebnis. An jedem Tisch brutzelte und zischte das Wasser, das mit Gewürzen angereichert wurde und in dem man alles Mögliche garen konnte. (Fisch, Fleisch, Pilze, Gemüse, Glasnudeln) Vergleichen kann man diesen kulinarischen Genuss mit unserem Fondueessen, für mich kommt das zukünftig nur im Winter auf den Tisch.

An diesem Abend fuhr Magnus mit uns zum Olympiazentrum, es war ein überwältigendes Erlebnis. Jeder, der Peking besucht, sollte sich diese faszinierenden Bauwerke abends ansehen, da die Beleuchtung wahnsinnig beeindruckend ist. Das Leben der Menschen an diesem Abend vor dem Zentrum hat uns auch begeistert. Menschen, die tanzten, sangen, malten sich unterhielten strahlten ihre Lebensfreude aus. Es gab sogar einen Menschen aus dem Emsland, der dort Skateboard fuhr. Da es schon recht spät war, gingen wir zum Abendessen zu Annies, da es nur wenige Restaurants gibt, die länger als bis 22.00 Uhr geöffnet haben. Mir schmeckten die wunderbaren Spinatravioli, Konrad seine Spaghetti und Magnus seine Pizza mit frischen Tomaten vorzüglich.

Am Samstag hatte Magnus etwas Zeit für uns und wir fuhren in eine Straße, in der man viele antike Dinge kaufen konnte. Es war wieder ein ganz anderer Eindruck von Peking als wir bisher schon erlebt hatten. Mittags gingen wir in der south silk street xidang südchinesisch essen. Das Pilzgericht, das ich dort bekam, wäre es wert nochmals nach Peking zu fliegen.

Noch einmal gab es all diese leckeren Speisen, nebst Fruchtplatte.

An unserem letzten Tag habe ich dann in Magnus’ Wohnung deutsch gekocht. Es gab: Rouladen, Kartoffelpürree, Apfelmus, Auberginen, Salat, Kartoffelpuffer und Mascarponecreme mit Heidelbeeren.

Da Li Hui einen Tag nach unserer Abreise 25 Jahre alt werden würde, brachten wir ihr einen Sockenkranz. Ihre Mutter hatte gekocht und der Tisch bog sich vor Speisen. Diese Gastfreundschaft war beeindruckend. Es gab viele ungewohnte Dinge, z.B. Schwarze Eier, keine Ahnung, warum diese schwarz waren. Ich konnte alles mit Stäbchen essen, ganz gleich, welche Konsistenz das Essen hatte. Es war für uns ein besonderer Abend, den wir in einer chinesischen Familie verbringen durften. Mit diesen schönen Erinnerungen packten wir dann unsere Koffer und Magnus brachte uns zum Flughafen. Um 2.00 Uhr verließ unsere Maschine Peking. Uns wurden noch eine Spätmahlzeit und später ein chinesisches Frühstück mit Plastikbesteck serviert. Ein wenig stocherte ich darin herum und gab es zurück. Sollte ich mir den Magen verderben nach all diesen wunderbaren kulinarischen Genüssen, die ich gerade in Peking erlebt hatte?

Keine Kommentare: